Trendsportarten

Trendsportarten

Höher, schneller, weiter und immer funkelnder – Neu ist nicht immer gleich besser

Erst gestern hatte ich wieder eine dieser schimmernden Werbekarten in meinem Briefkasten. Im besten Denglisch wurde mir ein perfekter Sommer-Body in nur drei Wochen versprochen. Sixpack inklusive. Exakt 21 Tage für eine rasende Transformation, bei der jeder Genforscher die Hände über den Kopf zusammenschlagen würde. Und all das auf Basis minimaler Bewegung und toller Elektrizität für meine gestressten Muskeln. Zwei Mal pro Woche 15 Minuten und dann ab zum Strand. Hurra! Sport kann doch so einfach sein, oder?

Nein, ich finde das geht gar nicht! Sport hat für mich mit koordinativer Bewegung, stolzem Schweiß, mentaler Herausforderung und vor allem Spaß zu tun. Die heutige Gesellschaft neigt leider dazu, alles in Projekte einzuteilen. Und leider sind auch der Körper und die Gesundheit zu Projekten geworden, die so schnell wie möglich abgearbeitet werden sollen. Je trendiger und unaussprechlicher die neu gewählte Sportart, desto besser und imageträchtiger. Kennen Sie beispielsweise Crunning? Diese Kombination aus Krabbeln (engl.: crawling) und Laufen (running) in der freien Natur sieht nicht nur mindestens irritierend aus, sondern birgt für Anfänger auch eine Menge Sturzgefahr. Pole-Fitness hingegen bietet hier eine noch fragwürdigere Alternative für die eigenen vier Wände. Die im Wohnzimmer montierte Tanzstange ist dann doch eher für angehende Zirkusartisten und nicht für den Hobbysportgebrauch gedacht, da Peinlichkeit und Verletzungsrisiko höchstwahrscheinlich gewinnen werden. Besonders cool sind auch geheimnisvolle Abkürzungen für Trainingstechniken, die oft nur einem eingeweihten Kreis ersichtlich werden. Das hat schon bei tollen Organisationen wie der NASA funktioniert, warum sollte es nicht auch bei HIT (High Intensity Training), HIIT (High Intensity Intervall Training) oder neuerdings auch PHIIT (Pilates High Intensity Intervall Training) funktionieren? Im Grunde ist es nichts mehr als ein altes aber gutes Trainingsprinzip verpackt in einem neuen Marketinggewand. Mein Sportlehrer hat es früher Zirkeltraining genannt und je nach Ziel oder Laune von Herrn Böhme, war es dann eher eine leichte oder ein schwere Kombination aus vielen verschiedenen Kraftausdauerübungen, die systematisch mit Belastung und Pause aneinandergereiht wurden und den Puls auf eine Achterbahnfahrt geschickt haben. Ich sehe schon den Trend für 2018 vor mir: SHIT-Training. Dieses steht dann wohl für Super-High-Intensity-Training und darf natürlich erst nach erfolgreichem Abschluss von HIIT und PHIIT absolviert werden…

Liebe Sportsfreunde, die Gesundheit ist das Beste und Wertvollste was wir besitzen, daher sollten wir täglich und mit Freude etwas für uns tun, um diese zu fördern, ohne dabei das Rad ständig neu erfinden und jedem Trend nachjagen zu wollen. Egal ob Sie laufen, schwimmen, Fußball spielen, reiten oder mit dem Hund ausgiebige Spaziergänge machen – der Körper ist kein Drei-Wochen-Projekt. Sport ist eine wunderbare Lebenseinstellung an allen 365 Tagen im Jahr!

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